Die Erfolgsgeschichte der „Eco-Fogones“
Ein Bericht von Don Augusto, Projektleiter der Asociación Patuca
Als wir mit dem Einbaumkanu die Anlegestelle des Dorfes Palestina verließen, brannte die Sonne bereits unerbittlich auf uns herab. Wir mussten schnell den Ort Los Mables erreichen, denn die Leute dort seien sehr pünktlich, hatte mein Kollege Selvin mir gesagt.
Im Boot transportierten wir die Eisenplatten, Folien, Rohre und anderes Material, das für den Bau der Eco-Fogones benötigt wurde und hier in der Region nicht beschafft werden konnte. Wir hatten es deshalb zunächst mit den Wagen über ca. 200 km aus der Hauptstadt Tegucigalpa nach Palestina bringen müssen. Wir waren etwas besorgt, ob das Kanu bei so viel Gewicht nicht kentern würde. Wenn das wertvolle und mühevoll transportierte Material in den dunklen Gewässern des Patuca-Flusses verschwinden würde, wäre das ein großer Rückschlag. Die Stromschnellen des Patuca sind für ihre Gefährlichkeit bekannt. Wir haben immer wieder damit zu kämpfen. In der Vergangenheit haben wir schon ganze Ladungen verloren. Der Wasserstand zeigte uns an, dass am Ursprung des Flusses in den Bergen der tropische Winter bereits begonnen hatte.
Zum Glück kamen wir pünktlich zur Versammlung. Die Siedler waren gerade erst angekommen. Nun stellten wir das Bauprojekt „Eco-Fogones“, die Arbeitsweise, die Methoden, sowie uns als Projektpartner der Gemeinden und Siedlerfamilien vor. Dieses Vorgehen wiederholten wir in allen anderen beteiligten Gemeinden.
Nachdem wir die Bevölkerung mit dem Projekt vertraut gemacht hatten, machten wir uns nochmals zu diesen Orten auf um die „Eco-Fogones“ zu bauen. Im Dorf Los Mables begannen wir mit dem Bau der ersten „Öko-Herde“. Die Frauen waren sehr skeptisch, denn sie konnten sich nicht vorstellen dass der „Eco-Fogon“ mit der kleinen Öffnung und dem engen Abluftrohr funktionieren würde. Umso erstaunter waren sie, als sie ihn schließlich in Betrieb nahmen! Ihre Augen glänzten vor Freude und Stolz, als sie uns die erste Tasse Kaffee anboten, die sie auf dem neuen Herd zubereitet hatten.
Ich freute mich sehr, als Enemiso, der Kanuführer, der schon mehrere Jahre für die Asociación Patuca arbeitet, zu mir sagte: „Don Augusto! Von allen Projekten, die die Asociación bisher durchgeführt hat, ist dieses ist das Beste!“ Seine Bemerkung rührte mich wirklich. Ich habe bereits in verschiedenen Gebieten von Honduras gearbeitet. Doch wenn ich mit den bescheidenen Leuten hier zusammenarbeite, empfinde ich jedes Mal eine große Zufriedenheit. Die meisten Projekte der Asociación Patuca scheinen die wahren Bedürfnisse der Bevölkerung wirklich zu erfassen. Dieses Projekt ist wieder einmal ein schönes Beispiel dafür.
Auf unserer Rückreise gab es noch einmal eine schöne Begebenheit. Ungeduldig saßen wir im Kanu und hofften bald zuhause bei unseren Familien zu sein. Doch nur langsam brachte uns der Motor stromaufwärts voran. Plötzlich zeigte Joel auf einen Hügel am rechten Ufer. Dort sprang der Familienvater Felix, der auch einen neuen Eco-Fogon erhalten hatte, die Böschung hinunter und bedeutete uns, zu halten. Aus der Tasche, die er bei sich trug, holte er einige frisch geschlagene Zuckerrohrstücke heraus, und gab jedem von uns eines. Mit einem glücklichen Lächeln sagte er: „Ich wollte mich für den Herd bedanken, ich bin mehr als glücklich! Meine Frau ist begeistert, wie gut das Feuer brennt. Aber eigentlich bin ich bin derjenige, der sich am meisten freut, weil ich nun nicht mehr jeden Tag Holz holen muss!“
Diese Rückmeldung machte natürlich auch uns glücklich. Obwohl Felix, wie viele der anderen, zuerst sehr skeptisch gewesen war, hatte er inzwischen den Nutzen des „Eco-Fogons“ erkannt: Weniger Holzbedarf, weniger Aufwand für die Holzbeschaffung und die Verringerung des Rauchs im Haus, der für Krankheiten der Atemwege bei Frauen und Kindern verantwortlich ist. Ich hoffte, dass die anderen Siedler diese Vorteile des „Eco-Fogons“ ebenso schätzen lernen.


